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Erstellt am 17. Februar 2019Frühjahresbedingungen führen zu zunehmendem Gleit- und Nassschneeproblem

Seit Samstag befindet sich das Temperaturniveau in mittleren und höheren Lagen durchgehend im positiven Bereich. Zusammen mit der intensiven Sonneneinstrahlung tagsüber führt es zu einer zunehmenden An- bzw. Durchfeuchtung der Schneedecke. Dabei verliert die Schneedecke rasch an Festigkeit und wird instabil. Schmelzwasser kann bis zu Schichtgrenzen innerhalb der Schneedecke  bzw. zur Basis der Schneedecke am Boden sickern und zu einem Reibungsverlust führen. In der Folge kommt es vermehrt zu Nass- und Gleitschneelawinen, die durchaus größer werden können. Somit sollten Touren zurzeit hinsichtlich Routenwahl und Zeitpunkt gut geplant werden. Ab Dienstag zeichnet sich ein Temperaturrückgang ab, womit sich die Schneedecke wieder besser verfestigen wird.

Das frühlingshafte Hochdruckwetter führt zu einem ausgeprägten Temperaturtagesgang in tiefern Lagen und recht gleichbleibenden Verhältnissen in höhern Lagen. Dazu sorgt trockenen Luft für eine super Fernsicht. Qulle: LWD
Bei den zurzeit herrschenden Verhältnissen muss mit fortlaufender Tageszeit vermehrt mit spontanen, nassen Lawinen aus steilen Bereichen aller Lagen gerechnet werden. Quelle: LWD
 
Gleitschneelawinen, die sich oft durch Gleitschneemäuler ankündigen (wie hier am Terzer Göller), unterliegen keinem Tagesgang und können jederzeit abgehen. Quelle: Salzer

Erstellt am 17. Februar 2019Informationsaustausch mit der Bergrettung

Am 16.02. nahm der Lawinenwarndienst bei einer Übung der Bergrettung Reichenau/Rax mit kanpp 40 BergretterInnen teil. Bevor bei herrlichem Wetter Methoden zur Schneedeckenanalyse erklärt, besprochen und geübt wurden, fand eine kurze Auffrischung hinsichtlich Gefahrenstufen und Lawinenlagebericht sowie eine Nachbesprechung und Diskussion des Lawinenereignisses vom 27.01. statt. Sowohl für die Einsatzkräfte als auch für den Lawinenwarndienst ist der Austausch im Rahmen von Übungen und Fortbildungen sehr Wichtig und bringt einen großen Mehrwert.

Wissensaustausch und gemeinsame Disskussion von Einsätzen und Ereignissen bringen für alle Beteiligten einen Mehrwert. Quelle: LWD

 

Im Bereich des Hanges, an dem am 27.01. ein Schneebrettabgang für einen großen Einsatz sorgte, wurden bei deutlich günstigeren Bedingungen Methoden zur Schneedeckenuntersuchung geübt. Quelle: LK Rax/Reichenau, LWD

Erstellt am 15. Februar 2019Unfallanalyse Zwieselberg

In den Ybbstaler Alpen ereignete sich während der frühen Nachmittagsstunden des 01.02. am Zwieselberg ein zum Glück glimpflich verlaufener Lawinenunfall, über den einige interessante Details bei uns eingetroffen sind. Drei Tourengeher befuhren den Hang vom Gipfel kommend zunächst ohne Vorkommnisse bis hinunter zur Bundesstraße. Die Lufttemperatur betrug zu diesem Zeitpunkt etwa -3 Grad, die Schneebeschaffenheit dürfte dementsprechend „trocken“ gewesen sein. Nach einem Wiederaufstieg fuhren die Tourengeher einzeln neuerlich ab, wobei dieses Mal die Einfahrt in einem steileren Bereich (41 Grad, extremes Steilgelände) gewählt wurde. Dabei löste sich eine ca. 70m breite und 300m lange Schneebrettlawine, als Schwachschicht konnte überdeckter Reif identifiziert werden. Zum Glück wurde niemand aus der Gruppe mitgerissen und somit verlief der Lawinenabgang ohne weitere Folgen, dennoch kann man einiges aus diesem Vorfall „mitnehmen“:

Anriss und Lawinenbahn am Zwieselberg. (Quelle: Beteiligte)

 

Überdeckter Reif erwies sich beim Schneebrettabgang als relevante Schwachschicht. (Quelle: Beteiligte)

Der folgende Versuch einer Unfallanalyse sollte neben der leicht veränderten Abfahrtsroute vor allem einer für die Lawinenauslösung relevanten Veränderung der äußeren Bedingungen auf den Grund gehen, denn die Verhältnisse waren mit Temperaturen um etwa +3 Grad bei der zweiten Abfahrt andere als bei der vorangegangenen Befahrung. Hinterfragt man die sich während der beiden Abfahrten geänderten Rahmenbedingungen etwas genauer, so stellt sich vielen vielleicht die Frage: „Wirkt sich die Setzung der Schneedecke nicht immer positiv auf die Stabilität aus?“.

Dies ist mit einem zweischneidigen „Ja, aber …“ zu beantworten. Führt man sich die drei für eine Schneebrettauslösung zwingend notwendigen Voraussetzungen vor Augen, erkennt man, dass neben (1) einer ausreichenden Hangsteilheit und (2) einer überlagerten Schwachschicht auch (3) eine gebundene Auflage für das Zustandekommen einer Schneebrettlawine vonnöten ist. Die ersten beiden Punkte wurden mit der extremen Hangsteilheit von 41 Grad wie auch mit dem Vorhandensein einer Schwachschicht in Form von überdecktem Oberflächenreif erfüllt. Wie sieht es jetzt mit dem dritten Punkt – der gebundenen Auflage – aus?

Oftmals mahnt der Lagebericht aufgrund von sprödem Triebschnee, der eventuelle Schwachschichten überdeckt und aufgrund tiefwinterlicher Temperaturen über längere Strecken konserviert bleibt, zur Vorsicht. Dieser Fall stellt eine zweifelsohne nicht zu unterschätzende Situation dar, da das Gefahrenpotential im Skitourenbereich dann des Öfteren über mehrere Tage erhöht ist. Aber diese Situation ist nicht die einzige Möglichkeit, in der es zu einer effizienten Bindung der Auflage kommen kann. Auch durch den Setzungsprozess der Schneedecke kommt es zu einer verbesserten Verbindung der Schneekristalle zueinander. Die Schneedecke isoliert recht gut und die Lufttemperatur „dringt“ von oben nur langsam in die Schneedecke vor, somit bleiben tieferliegende Schwachschichten (am Beginn der Erwärmungsphase) davon zunächst noch unberührt. Die Kristalle der Auflage darüber binden jedoch besser als zuvor und begünstigen somit unter Umständen während dieser frühen Phase der Setzung eine eventuelle Schneebrettauslösung.

Das ist der Grund für die zunächst angesprochene „Zweischneidigkeit“ und letztlich die Ursache, warum der Begriff „Setzung der Schneedecke“ meist – aber eben nicht immer – die Stabilität der Schneedecke erhöht.

Erstellt am 13. Februar 2019Auf Orkan und Kälte folgt sonniges Frühlingswetter

Sturmtief „Uwe“ sorgte in den vergangenen Tagen für orkanartigen Wind in den Niederösterreichischen Alpen. Besonders am Ostrand, also vom Schneeberg bis zum Wechselgebiet, wurden extreme Spitzengeschwindigkeiten bis 180 km/h registriert. Zusammen mit frischem Neuschnee entstanden störanfällige Triebschneebereiche bis in bewaldete Zonen.

Das Sturmtief und die dazugehörige Kaltfront sorgten für Orkan und Kälte auf den Bergen, wie hier am Hochwechsel, Messstation Wetterkoglerhaus. Quelle: LWD
 
Der Anraum an der Senderanlage am Klosterwappen zeugt von der Heftigkeit des Orkanes. Quelle: Tisch
 
Abgeblasene und eingewehte Bereich wechseln oft rasch, wie hier im bereich des Siebenbrunnenkessels. Quelle: Stanglauer

Ab Mittwochnachmittag stellt sich die Wetterlage um, von Westen rückt ein großräumiges Hoch über weite Teile Europas, welches uns voraussichtlich bis Mitte nächster Woche beeinflußt und auf den Bergen für viel Sonnenschein und Frühjahresverhältnisse sorgen wird! Hinsichtlich der Lawinensituation rechnen wir mit einer raschen Entspannung des bestehenden Triebschneeproblems. Mit nachhaltiger Einstrahlung und dem Temperaturanstieg rücken die Gleitschnee- sowie die Nassschneeproblematik in den Vordergrund.

Hoher Luftrduck über weiten Teile Europas, prognostiziert bis Mitte nächster Woche. Quelle: ZAMG

Erstellt am 9. Februar 2019Abgesehen von einigen Gleitschneelawinen sehr stabile Verhältnisse

Eine harte, verharschte Schneeoberfläche prägt derzeit den Skitourencharakter in den Niederösterreichischen Bergen. Je nach Exposition und Höhenlage bleibt die Oberfläche den ganzen Tag hart, oder firnt im Laufe des Tages auf. Das Schneedeckenfundament darunter ist am Allgemeinen gut gesetzt und stabil. Kurz gesagt: Es herrschen schon fast Frühjahrsverhältnisse und mit etwas Geschick beim Timing und der Auswahl der Exposition sind genussvolle Frühjahrsskitouren möglich. Vorsicht ist aber im Einflussbereich von Gleitschneelawinen geboten. Offenen Schneemäuler sind weit verbreitet und südseitig wurden wieder vermehrt Abgänge registriert.

Frische Gleitschneelawine (8.2. vormittags) aus einem steilen, süd-ostseitigen Hang  am Göller. Quelle: LWD NÖ

Achtung: Ab Montag ändert sich die Situation wegen Sturm und Neuschnee wieder grundlegend!

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