Seite:  < 1 2 3 4 > 

Erstellt am 9. Januar 2019Enorme Schneemassen, Gefahrenstufe 5, sehr große Lawinengefahr in den Ybbstaler Alpen!

Die außergewöhnlichen Schneemengen – mitsamt all ihren Folgeerscheinungen – prägen derzeit in den niederschlagsintensiven Staulagen das Bild der Landschaft. Das Gefahrenpotential ist sehr weitreichend, umfasst auch über die Lawinengefährdung hinausgehende Bereiche, wie beispielsweise ansteigenden Dachlasten und damit zusammenhängend auch aufgrund der enormen Zusatzlast umstürzende Bäume. Zudem sollten die Einsinktiefen derzeit nicht unterschätzt werden. Tragisch endete zum Beispiel im angrenzenden Mariazeller-Raum ein Sturz eines Skifahrers, der kopfüber im Tiefschnee stecken blieb und dabei verstarb.

Wenn man den Fokus abseits dieser Gefahren auf die konkrete Lawinengefährdung richtet, so wird man an eine – in Ansätzen – vergleichbare Situation vor 10 Jahren erinnert: Auch damals sorgten ergiebige Schneefälle in den Nordstaulagen für tiefwinterliche Verhältnisse. Am 23. und 24. Februar 2009 herrschte in den Niederösterreichischen Alpen ebenfalls Gefahrenstufe 5 und somit „sehr große“ Lawinengefahr. Der Pegel am Hochkar erreichte nach einer knapp 3-wöchigen niederschlagsintensiven Nordstauwetterlage Werte um 3 Meter.

Der Schneehöhenverlauf vor fast 10 Jahren, im Februar 2009. Damals wurden am Hochkar eine Gesamtschneehöhe von 3 m registriert, es herrschte Lawinengefahrenstufe 5. Die blaue Kurve stellt die Gesamtschneehöhe dar, die hellblauen Kästchen zeigen den täglichen Neuschneezuwachs, die Farbfelder oberhalb der Datumsangabe deuten auf die ausgegebenen Lawinengefahrenstufe hin (gelb = Stufe 2 "mäßig", orange = Stufe 3 "erheblich", rot = Stufe 4 "groß", schwarz = Stufe 5 "sehr groß"). (Quelle: LWD NÖ)

Und wie schaut es im Vergleich dazu derzeit aus? Wir befinden uns Anfang Jänner noch vergleichsweise „früh" im Winter und umso bemerkenswerter ist die Tatsache, dass dieser Wert heute bereits überschritten wurde! Die aktuelle niederschlagsreiche Phase hat am 30.12. begonnen und geht auch noch weiter, somit erwarten wir sowohl am heutigen Mittwoch (11. Tag) als auch am morgigen Donnerstag (12. Tag) zusätzlichen Neuschneezuwachs. Das Problem im Hinblick auf die Schneemessung besteht in den akkumulierten Mengen, der Pegel dürfte noch bis etwa 3,5 m anzeigen, bevor auch ihm die Mengen zu groß werden…

Schneepegelverlauf am Hochkar (Sportheim auf knapp 1500m Seehöhe). Dieser Pegelzuwachs in der kurzen Zeitspanne ist wirklich beachtlich, da er den Setzungsprozess der Schneedecke natürlich inkludiert. Quelle: LWD NÖ

Aber nicht nur am Hochkar gibt es derzeit Probleme, aus Sicherheitsgründen wurde soeben auch die Straße am Zellerrain aufgrund der Lawinengefährdung gesperrt.

Die Niederschläge klingen am Freitag vorübergehend ab und sollten im Rahmen der zwischenzeitlichen Wetterbesserung kurze Erkundungs- und Lawinensprengflüge erlauben.

Erstellt am 8. Januar 2019Aktuelle Lawinensituation und Ausblick

Die ungewöhnlich lang anhaltende stürmische Nordstaulage seit dem Jahreswechsel hat in den Niederösterreichischen Bergen zu erheblicher bis großer Lawinengefahr geführt. Einige Schneepegel zeigen derzeit die höchsten Jänner-Werte seit Messbeginn an. Aktuell (8.1., 12:00 Uhr) liegt die Schneehöhe zum Beispiel am Hochkar bei 265cm. Wenn man den gefallenen Neuschnee tägliche summiert, kommen seit Beginn der Nordstaulage sogar über 3m zusammen. Aber auch tiefer gelegene Standorte weisen beachtliche Schneehöhen auf, wie Neuhaus (1103m) mit 180cm oder Lackenhof (809m) mit 135cm. Die jeweils aktuellen Messwerte sind unter LAWIS auf der Homepage abrufbar.

Die starken Neuschneezuwächse gepaart mit Wind und Graupelschauern haben bereits zu einigen spontanen Schneebrettlawinen geführt, darunter auch eine sehr große Lawine am Schneeberg und einige kleinere Schneebrettlawinen am Ötscher.

Anriss einer kleinen Schneebrettlawine am Ötscher (5.1.). Quelle: Friedl
Eine sehr große (Größe 4) spontane Schneebrettlawine aus der Lahning Ries am Schneeberg erreichte am 7.1. nicht nur die Piste Losenheim, sondern richtete auch im Wald beträchtlichen Schaden an. Es kamen zu Glück keine Personen zu Schaden. Quelle: Tisch.

Auch in tieferen Lagen ist die Situation gefährlich, weil sich derzeit viele Gleit- und Nassschneelawinen spontan aus Wiesen- und Waldbereichen lösen.

Ablagerung einer spontanen Schneebrettlawine im Bereich Hohenberg. Der Anrissbereich lag über 1000m Seehöhe in einem südostexponierten, extrem steilen, bewaldeten Hang.  Quelle: LWD

Die Wetteraussichten auf die kommenden Tage legen leider eine weitere Verschärfung der Lawinensituation nahe. Insbesondere in den Ybbstaler Alpen werden bis Donnerstagabend beträchtliche Neuschneezuwächse erwartet. Aufgrund der angespannten Situation bewertet der Lawinenwarndienst die Lage derzeit permanent neu und aktualisiert den Lagebericht zwei Mal täglich (abends bis etwa 18:00 Uhr und in der Früh bis etwa 7:30 Uhr). 

Prognostizierte Neuschneesumme für Dienstag, Mittwoch und Donnerstag. Quelle: ZAMG, SNOWGRID.

Erstellt am 3. Januar 2019Neuschneereiche und stürmische Phase um das Dreikönigswochenende

Die Konstellation eines Hochdruckgebiets im Nordwesten und eines Tiefdruckkomplexes im Nordosten von Österreich ist für die derzeitige Nordanströmung des Alpenraums verantwortlich. Intensive Niederschläge bei überaus stürmischen Bedingungen prägen somit die Verhältnisse um das bevorstehende Wochenende in den Niederösterreichischen Alpen.

Anhaltend stürmische Verhältnisse. (Quelle: ZAMG)

Der Schnee fällt aufgrund der tiefen Temperaturen trocken und ist somit überaus verfrachtungsfreudig. Frischer Triebschnee entsteht – wie auf den Fotos gut ersichtlich – zur Zeit selbst in bewaldeten Bereichen.

Frische Triebschneebildung selbst in bewaldeten Zonen. (Quelle: Stephan Binder)

Der Schneedeckenaufbau gestaltet sich derzeit störanfällig, es sind im Wesentlichen 3 Problembereiche auszumachen:

  • der Übergang zur (verharschten) Altschneedecke
  • eingelagerter Graupel
  • Schichtübergänge (unterschiedliche Härtegrade) innerhalb der frischen Auflage aufgrund des variierenden Windeinflusses
Graupeleinlagerungen und Schichtübergänge innerhalb der frischen Auflage gehören derzeit zu den Problemzonen im Schneedeckenaufbau. (Quelle: Stephan Binder)

Mit Blick Richtung Dreikönigswochenende werden sich die Schneefälle weiter intensivieren und es ist sowohl am Samstag als auch am Sonntag in allen Regionen mit ergiebigen Neuschneezuwächsen zu rechnen, wobei der Schwerpunkt der Niederschläge für den Raum Niederösterreich in den Ybbstaler Alpen erwartet wird.

Während Bereiche südlich der Alpen im Hinblick auf den Niederschlag fast „leer ausgehen“, erwartet uns in den typischen Nordstauregionen einiges an Neuschnee. (Quelle: ZAMG)

Erstellt am 29. Dezember 2018Stürmischer Jahreswechsel

Der Jahreswechsel kommt mit Sturm und Neuschnee in die niederösterreichischen Berge. Bereits am Sonntag, 30.12., in der Früh ist mit stürmischem Nordwestwind zu rechnen, der im Laufe des Tages noch zunimmt. Die stürmische Phase dauert bis in die Silvesternacht hinein an und es ist an diesen zwei Tagen mit insgesamt bis zu 1m Neuschnee zu rechnen. Der Schwerpunkt der Schneefälle liegt in den Ybbstaler Alpen, aber auch am Schneeberg werden bis zu 80cm erwartet.

Erwartete Neuschneesumme bis zum Jahreswechsel. Quelle: ZAMG, Snowgrid

Ungewöhnlich dabei ist der schwere Sturm aus nordwestlicher bis nördlicher Richtung. Dadurch wird sich schnell eine heikle Triebschneesituation einstellen. Generell herrschen am 30. Und 31.12. sehr widrige Bedingungen auf den Bergen. Zu Neujahr bessert sich das Wetter, die heikle Lawinensituation bleibt aber bestehen!

Erstellt am 28. Dezember 2018Schneedeckenuntersuchung Schneeberg

Am 27.12. führte der Lawinenwarndienst Niederösterreich gemeinsam mit Lawinenmelder und Schneebergkenner Karl Tisch eine Schneedeckenerhebung durch, um die Auswirkungen der Erwärmung seit 26.12. auf die Schneedecke zu dokumentieren.

Diese Erwärmung mit gleichzeitig starkem Nordwestwind führte zu sehr milden Temperaturen und starken Rückgang der Schneedecke in tieferen Lagen. In mittleren Lagen wurde die Schneedecke durchwegs feucht oder nass und ein wenig Regen in der Nacht auf Donnerstag führte überdies  zu Vereisungen bis etwa 1900m hinauf.

Blick vom Fadensteig nach Losenheim: Kaum mehr Schnee unter 1000m und starke Vereisungen in mittleren und hohen Lagen.

Die Schneedecke gestaltet sich bis etwa 1700m durchgehend feucht oder nass und weist eine Harschkruste auf. Nur in den höchsten Lagen des Schneebergs (ab etwa 1900m) fehlt diese Harschkruste. In hohen Lagen finden sich noch trockene Triebschneepakete, allerdings haben diese sich meist gut gesetzt und weisen kaum Schwachschichten auf (eine Ausnahme davon können vereinzelte Graupeleinlagerungen sein). Eine Schneedeckenuntersuchung ostseitig in etwa 1830m Seehöhe (Bereich Rotwand) zeigte einen sehr stabilen Schneedeckenaufbau.

Wenn man einen Schneeblock leichter quer als horizontal zum Brechen bringt, kann man getrost von (lokal) stabilen Verhältnissen ausgehen…

Exponierte Lagen (Gipfel, Grate, Kämme, …) sind meist abgeblasen und stark vereist. Hier herrscht akute Absturzgefahr. Dort wo Schnee liegt, findet sich je nach Höhenlage (von oben nach unten) eine tragfähige Harsch- bzw. Eiskruste, Bruchharsch, und schwerer, feuchter oder nasser Schnee.

Seite:  < 1 2 3 4 >